STIMMSTÖRUNGEN

Für diejenigen, die in ihrem Beruf singen oder sprechen müssen, gilt kaum ein „Instrument“ als so sehr gefährdet wie die Stimme. Die Angst davor, die Stimme zu verlieren oder zu beschädigen, ist häufiger Begleiter von in künstlerischen Hochleistungsstimmberufen tätigen Menschen. Aber Stimme hat auch Macht. Stimmklang, -volumen und -dynamik bestimmen unsere Persönlichkeit.

Für die Stimmbildung benötigen wir neben einem intakten Kehlkopf perfekt funktionierende Atemwege die als sogenannter „Windkessel“ zum „Anblasen“ der Stimmlippen dienen. Rachen, Nase und Nasennebenhöhlen bilden den Resonanzraum und formen als „Ansatzrohr“ den Klang der Stimme. Unser Nervensystem plant, koordiniert, steuert und kontrolliert die notwendigen Muskelbewegungen sowie die akustische und sensible Wahrnehmung der Stimme. Durch das feinst aufeinander eingespielte Zusammenwirken der beteiligten Strukturen ist die Anfälligkeit der Stimme für Faktoren, die dieses Systemgleichgewicht stören, jedoch groß.

Eine gesunde Stimme verlangt also weit mehr als einen gesunden Kehlkopf, denn nur ein gesunder Organismus produziert dauerhaft eine gesunde Stimme. Eine behinderte Nasenatmung, Allergien oder auch Schnarchen können zu einer Belastung der Stimmlippenschleimhaut führen. Ein Magensäurereflux in den Kehlkopf kann die empfindliche Stimmlippenschleimhaut schädigen. Darüber hinaus bilden häufige Entzündungen der Nase und der Nasennebenhöhlen möglicherweise einen chronischen Entzündungsherd für die Stimmlippen. Auch psychische Faktoren können zu Störungen führen.

Stimmstörungen können organisch, mit sichtbaren Veränderungen der an der Stimmbildung beteiligten Organe, oder funktionell, ohne sichtbare Veränderungen, auftreten. Zu beachten gilt es hier aber, dass bereits kleine, für das bloße Auge nicht sichtbare organische Veränderungen der Stimmlippen möglicherweise Störungen verursachen. Andererseits kann eine funktionelle Störung durch dauerhafte Fehlbelastung organische Veränderungen an den Stimmlippen, beispielsweise die gefürchteten Sängerknötchen, bedingen.

Zur Erkennung organischer Veränderungen der Stimmlippen reicht in der Regel eine endoskopische Untersuchung des Kehlkopfs (Laryngoskopie) aus. Bei Veränderungen des Stimmklangs ist die Untersuchung der Stimmlippenschwingungen jedoch unentbehrlich. Mögliche Unregelmäßigkeiten des Schwingungsverhaltens werden nur durch den Einsatz zeitlich hochauflösender Verfahren in der Laryngostroboskopie erkennbar. Mit einem starren oder flexiblen Endoskop werden hierbei die für das menschliche Auge nicht wahrnehmbaren Schwingungen der Stimmlippen optisch verlangsamt und somit sichtbar. Weiterführende Ermittlungen hinsichtlich der Dynamik und Feinstruktur der Stimme ermöglichen die Verfahren der Stimmfeldmessung und der Stimmschallanalyse.

In unserer Praxis hat es sich bewährt, bei Störungen der Stimme frühzeitig nach den Ursachen zu suchen. In Hochleistungsstimmberufen professionell tätige Sänger und Schauspieler können einzelne Störfaktoren sicherlich technisch kompensieren. Bestehen diese Störfaktoren jedoch über längere Zeit, so wird der vermehrte Krafteinsatz (Hyperfunktion) zwangsläufig zu bleibenden Veränderungen der Stimmlippen in Form von Ödemen (Wasseransammlungen), Knötchen, Verhärtungen und Verdickungen oder Gefäßveränderungen führen. Eine operative Behandlung der entsprechenden Störungen ist dann oft unausweichlich. In einem Team aus Ärzten, Logopäden und Psychologen führen wir die notwendigen Untersuchungen durch, um Stimmdefizite zu diagnostizieren und zu heilen.

pfeil_nachoben